Collabora vs. OnlyOffice auf unseren Nextcloud-Servern

In letzter Zeit erhalten wir vermehrt Anfragen bezüglich einer klaren Stellungnahme zu „Collabora vs OnlyOffice“ für unsere Angebote Nextcloud für Teams als auch für Nextcloud für Einzelnutzer - was wir hiermit gerne tun.

Die Vorgeschichte

Nach Jahren des Nextcloud-Einsatzes standen wir ab Nextcloud Hub v18 vor der Tatsache, dass das Nextcloud-Setup weitere Applikationen wie Calendar, Contacts, Talk, Mail und - hier wird es spannend - OnlyOffice bei einer Erstinstallation direkt integriert installiert. Für uns war das ein klares Statement der Nextcloud-Macher, OnlyOffice schien gesetzt - und damit auch für uns, weswegen wir sämtliche Installationen hauptsächlich oder primär auf OnlyOffice umgestellt haben. Bis dahin hatten wir die Collabora CODE Edition oder auf Wunsch die Bezahl-Varianten per Ansible dediziert installiert und deren Verwendung in Nextcloud konfiguriert.

Der Vergleich

ODF vs OOXML

ODF ist das leichgewichtigere, offenere und von LibreOffice präferierte Format für Dokumente aller Art. Die Spezifikation für ODF 1.2 umfasst ca. 1’000 Seiten (ISO 26300). ODF-Spreadsheets werden beispielsweise als .ods gespeichert, Textdokumente als .odt. Einige Microsoft-Office-Funktionen lassen sich mit ODF nicht umsetzen, weshalb es durch die Redmonder nicht unterstützt wird.

Wenn die Microsoft-eigenen, mit Binärcode gespickten, XML-basierten Office-Formate .docx & Co. nicht nicht zum Einsatz kommen, ist Office Open XML (OOXML) das von Microsoft Office präferierte Dokumentenformat, welches 2008 als ISO-Norm 29500 verabschiedet wurde und einen Umfang von ca. 6’000 Seiten aufweist. Es ist daher nicht vollständig implementiert; der Umfang ist hauptsächlich der MS-Office Rückwärtskompatibilität geschuldet.

Collabora vs OnlyOffice

Collabora ist quasi eine auf dem Server ausgeführte LibreOffice-Installation, für die der Browser mehr oder weniger nur das GUI anzeigt. Collabora orientiert sich bei Look & Feel also an LibreOffice und verarbeitet die Dokumente auf dem Server.

OnlyOffice hat den gegenteiligen Ansatz - es orientiert sich vom Aussehen her an MS-Office und verlagert das Document Processing auf den Client. Deren Document-Server stellt den Speicherplatz zur Verfügung und ist hier mehr für die kollaborative Kommunikation zuständig, der Grossteil der Applikation läuft dagegen im Browser.

In Collabora lässt sich bei der Erstellung einer Datei das Dateiformat frei wählen (ODF vs. OOXML), ODF wird aber wie bei LibreOffice klar präferiert. OnlyOffice bevorzugt dagegen Dokumente im OOXML-Format. Siehe https://www.onlyoffice.com/blog/2018/09/onlyffice-makes-it-easier-to-work-with-odf-in-integrated-solutions/.

OnlyOffice beherrscht das Freezing von Zeilen und Spalten, was für Collabora erst ab v6 angekündigt ist.

In einer Nextcloud-Instanz lassen sich beide Office-Suiten parallel nutzen. In diesem Fall werden Dokumente On-Click sofort in Collabora geöffnet; im Web-GUI ist OnlyOffice per Kontext-Menu (3 Punkte) verfügbar. In der Smartphone-App von Nextcloud ist das nicht der Fall, das Dokument kann nur mit OnlyOffice geöffnet werden.

Kommt in Nextcloud ausschliesslich Collabora zum Einsatz, wird es als Standard-Editor für sämtliche durch Collabora unterstützen Dateiformate benutzt. Bei OnlyOffice lässt sich in den Einstellung anpassen, welche Formate damit geöffnet werden sollen; per Kontext-Menu lassen sich damit trotzdem abgewählte Formate öffnen.

Ab Nextcloud Hub v18 wird zum ersten Mal OnlyOffice während der Nextcloud-Installation on demand installiert und integriert. OnlyOffice findet sich nicht im Nextcloud tarball/zip. Collabora wird (wie bis dato auch) per separater App angeboten oder dediziert und losgelöst von Nextcloud installiert. Ein klares Bekenntnis der Nextcloud-Macher zu OnlyOffice also. Für Verwirrung sorgte dann die Pressemitteilung von Collabora auf https://www.collaboraoffice.com/press-releases/collabora-online-as-default-in-nextcloud-hub/, dass ab Nextcloud Hub v19 Collabora das neue Default Web-Office-Paket ist.

Wohl auch durch die neu gewonnene Popularität hat OnlyOffice im Nextcloud-Umfeld recht schnell mit einigen „Known Issues“ auf sich aufmerksam gemacht, die einen negativen Einfluss auf die Funktion haben, siehe zum Beispiel https://github.com/nextcloud/documentserver_community/issues/100 und https://api.onlyoffice.com/editors/nextcloud#issue.

Die Features in der Übersicht:

Produkt

Preis

Edit auf Mobile

max. gleichz. geöffnete Dokumente

max. gleichz. Verbindungen

max. Benutzer

Collabora CODE

kostenlos

ja

10

20

k.A.

Collabora for SMBs

17€/User/Jahr

ja

k.A.

k.A.

99

Collabora for Enterprises

k.A.

ja

k.A.

k.A.

k.A.

OnlyOffice CE

kostenlos

view only

k.A.

20

bis 20

OnlyOffice Integration Edition Start

35€ pro Server-Lifetime, 1 Jahr Support & Updates

ja

k.A.

50

bis 50

OnlyOffice Integration Edition Standard

1870€ pro Server-Lifetime, 1 Jahr Support & Updates

ja

k.A.

100

bis 100

OnlyOffice Integration Edition Standard+

3740€ pro Server-Lifetime, 1 Jahr Support & Updates

ja

k.A.

200

bis 400

Siehe auch:

Die Situation heute

Spetember 2020, und eine Major-Version später: Nextcloud v19 installiert auf Wunsch immer noch OnlyOffice als zentrales Kollaborationswerkzeug, um das Thema ist es aber deutlich ruhiger geworden. Aufgrund der funktionalen Einschränkungen, die OnlyOffice im Vergleich zu Collabora mit sich bringt (View-Only auf Mobile, Fehler), des Feedbacks einiger Benutzer an uns (danke dafür) und der für uns insgesamt nicht ganz stimmigen Ausrichtung des OnlyOffice-Projektes in Bezug auf Open Source werden wir bis Ende September für unsere Nextcloud-Instanzen wieder primär auf Collabora setzen, und OnlyOffice als zweite Option hinzukonfigurieren.